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Denn das Himmelreich 
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Gemeindebrief

Heft 1/2011
Dez. - Jan. -Feb. Evangelisch- Lutherische Kirchengemeinde Pullach

Predigt für den 1. Adventsonntag ( 27.11.2005 )


Text: Offenbarung des Johannes  5, 1-5

Thema: Christus im Himmel – ihn sehen und hören!

 Liebe Adventgemeinde!

Wir haben den Predigtext nun gelesen, gehört. Haben sie etwas heraushören können? Haben sie dabei auch Bilder sehen können? Ist eine Botschaft für Sie erkennbar gewesen? Vielleicht haben sie nicht einmal Bahnhof verstanden, weil das Wort nicht vorkommt.

Wir haben da offensichtlicht ein Problem mit der Sprache, mit der des Johannes und auch mit unserer. Manchmal möchten wir uns verständlich machen, doch es gelingt nicht so recht. Wir versuchen es mit Hand und Fuß, mit Gesten. Wir benutzen Bilder und Vergleiche zur Veranschaulichung, verwenden die Musik der Sprache oder Töne und Musik. Irgendwie wird dann manches deutlicher, verstehbar.


Manchmal soll oder muss etwas verdeckt werden mit Sprache. In Zeiten politischer Verfolgung, oder wenn Privates geschützt werden muss, sucht man Ausdrucksmittel, die nicht verraten aber andeuten, spezielle Symbole, Geheimzeichen die nicht jeder kennt. In Diktaturen, auch in der Nazizeit und im Kommunismus blühte diese Kunst der verdeckten Wahrheit, der Nachricht zwischen den Zeilen, der Freiheit hinter vorgehaltener Hand, die Kritik durch Verfremdung.

Nun – werden sie sagen, was hat das mit Advent zu tun? Wir kennen ja unsere Symbole, den Adventkranz, Adventskalender, Weihnachtsstern, die Lieder und Christkindlesmärkte? Laut Umfragen kennen nur noch weniger als 14 Prozent der Bürger ein Bibelzitat oder können auf Anhieb  den tieferen Sinn der Adventzeit benennen. Nur noch wenige entdecken, was hinter Kommerz und dem Freizeitstreß dieser Tage verborgen ist. Die Zeit des Kommens ist anders als die Gegenwart. Kommendes bestätigt oder stellt Gegenwärtiges in Frage.

Also stellen wir uns dem Text. Er hat schon seinen Grund, d.h. er passt in die Zeit des 1./2. nachchristlichen Jahrhunderts. Er ist das Ergebnis des Christseins im Römischen Reich mit seinen gottgleichen Kaisern, die in prächtiger Herrlichkeit ihre Allmacht feierten. Sie geboten als pontifex maximus, als oberster Brückenbauer über Leben und Tod. Sie schienen gottgleich ewig zu leben. Huldigungen, Opferungen, der Kult waren gottesdienstähnlich. Christen störten. Als Märtyrer mussten sie ihren Glauben und Leben opfern.

Doch ihr Glaube hat überlebt. Für sie gab es Höheres, Tieferes, Göttlicheres als die Realität römischer Macht. Johannes, der alte, erblindete Seher von Patmos sieht tiefer, hört Größeres. Er beschreibt den kommenden Advent im Himmel. Wie ein inszenierter Gottesdienst ist das. Bilder voller Bilder. Eines übertrifft das andere. Töne, Melodien, Texte, Gespräche. Manche denken da vielleicht an den katholischen Barock Oberbayerns, an Kirchen voller Bilder und Gestalten, voller Farben, an den Himmel auf Erden.

Doch Johannes inszeniert nicht nur katholisch. Es geht auch ums Hören. Wie für uns Evangelische gemacht. Da ist das große, versiegelte Buch des Lebens. Wort für Wort – Gottes Wort.

Doch wer versteht es? Wer löst das Siegel? Wer deutet die Schrift? Ein himmlisches, aber auch ein menschliches Problem. Bleiben wir zunächst bei unserem, dem menschlichen Problem? Wo erkenne ich in meinem Leben Gottes Wirken? Wo und wann weiß ich eindeutig, was Gott mir sagt und von mir will? Wo und wie verstehe ich das Gesagte? Rechne ich damit, mein Leben zu verstehen, alle unbewussten und bewussten Passagen meiner Biografie deuten zu können und die richtigen Konsequenzen zu ziehen? Wünsche ich mir nicht die klare Eindeutigkeit Gottes, der kommt und mir sagt, was von meinem Leben bleiben wird? Wer löst die Siegel meines Lebensbuches?

Das himmlische Problem, das den Seher zur Verzweiflung bringt, wird gelöst. Johannes spricht vom Lamm, vom Löwen aus Juda,  von Christus.  Er hat keine politische Macht. Aber er kann das Siegel öffnen, denn er versteht Gottes Wort. Er liest aus dem großen Buch des Lebens vor dem thronenden Gott, im himmlischen Gottesdienst.

Und alles ist für Johannes erlebbar, und für uns nacherlebbar. Auch wir sind eingeladen, auch wenn wir mit anderen Bildern unsern Advent inszenieren und mit anderen Melodien diese Zeit besingen: Christus ist im Himmel, zu sehen und zu hören. Er wird kommen und Gott wird dort sein. Wir können Gewesenes und Zukünftiges feierlich verstehen. Da kann uns Herz, Auge und Ohr wie eine Tür zum Himmel aufgehen.

Amen.


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