Interview mit Vertrauensmann Konrad Petersen
KB: Herr Petersen, als wir 2001 nach Pullach kamen, waren Sie bereits Mitglied
des Kirchen-vorstandes und stellvertretender Vertrauensmann. Wie lange sind
Sie eigentlich Mitglied der Jakobuskirche in Pullach?
KP: Ich bin seit 1994 im Kirchenvorstand.
KB: Im neugewählten Kirchenvorstand sind Sie nun mit dem Amt des
Vertrauensmannes betraut worden. Was verlangt dieses Amt von Ihnen?
KP: Als Ansprechpartner habe ich die Aufgabe Anregungen und Probleme aller
Gruppen und Gemeindeglieder aufzunehmen und nach Möglichkeit einer Lösung
zuzuführen. Zusammen mit dem Pfarrer wird die Tagesordnung der Kirchen-
vorstandssitzung erstellt und diese entsprechend vorbereitet.
KB: Der Kirchenvorstand hat eine leitende Funktion. Können Sie einige
Schwerpunkte dieser Arbeit nennen?
KP: Der Kirchenvorstand ist das Parlament der Gemeinde. Er muss sich um die
Finanzen, den Erhalt der Gebäude, das Personal und das gemeindliche Leben
kümmern. Das geht natürlich nur in guter Zusammenarbeit mit dem Pfarrer und
den übergemeindlichen Stellen.
KB: Als Christ erleben Sie die gesellschaftlichen Entwicklungen in Pullach und in
Deutschland. Hat die evangelische Kirche Zukunft?
KP: In Pullach leben wir diesbezüglich fast auf einer Insel der Seeligen: Die
Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche hat sich sehr gut entwickelt, nicht
zuletzt, weil diese während des Umbaus ihres Gemeindezentrums unsere
Gemeinderäume nutzen kann. Auch mit der politischen Gemeinde bestehen gute
Beziehungen. Unsere Diakoniestation steht wieder auf guten Füßen und
arbeitet gut mit den anderen sozialen Einrichtungen zusammen.
Aber darüber hinaus macht mir das mit der Globalisierung um sich greifende
„Shareholder Value Denken“ große Sorgen. Die Arbeitskraft wird immer mehr zur
Ware, die beliebig hin und her geschoben werden kann. Darunter leiden die
menschlichen Beziehungen, es gibt immer weniger intakte Familien und dadurch
auch weniger Kinder. Auch der Gedankenlose Umgang mit der Umwelt ist darin
begründet. Hier werden auf die Kirchen (nicht nur die evangelische) noch große
Probleme (Rückgang der Mitgliederzahlen und der Kirchensteuereinnahmen) als
auch große Aufgabe (Gewissen der Nation, soziales Auffangbecken) zu
kommen.
KB: Herr Petersen, gibt es für Sie eine Lieblingsbibelstelle, die Ihnen viel
bedeutet? Warum?
KP: Ich befasse mich seit längerem mit der Frage ob die Rechtfertigungslehre
(allein durch Glauben, allein aus Gnade (Röm.3)) der richtige Weg zur Seeligkeit
ist. An unserer Orgel steht: „Seid aber Täter des Worts und nicht nur Hörer
allein“(Jak. 1,22). So gibt es in den Evangelien viele Geschichten, die den
Einsatz des Menschen fordern (Matth.19,16-26; Luk.19,11-26; Matth.25,31-
46), aber auch andere, wo Gott aus Gnade handelt (Math. 20, 1-16; Luk.
15,11-32).
KB: Im Namen des Kirchenvorstandes und der Kirchengemeinde danke ich Ihnen
und Ihrer Familie für das Gespräch und Ihr großes Engagement für unsere
Kirche
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