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Evangelisch-Lutherische

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Gemeindebrief

Heft 1/2011
Dez. - Jan. -Feb. Evangelisch- Lutherische Kirchengemeinde Pullach

Bericht von den Einkehrtagen des Kirchenvorstands
in Riederau (18. – 20. Februar 2005)


Der Kirchenvorstand befasste sich während der Tagung mit dem Buch von
Klaus Douglas: „Die neue Reformation – 96 Thesen zur Zukunft der Kirche“.

Der Autor sieht bei der evangelischen Kirche zwei Gefahren:

·

dass die zentralen Inhalte aufgeweicht werden.

·

dass die äußeren Formen erstarren.


In 12 Hauptaufgaben wirbt der Autor für eine Erneuerung der Kirche von unten:

   1.  Zur reformatorischen Mitte zurückkehren
   2.  Spiritualität freisetzen
   3.  Den Auftrag wiederentdecken
   4.  Das allgemeine Priestertum der Gläubigen aktivieren
   5.  Den Pfarrberuf neu definieren
   6.  Führungsverantwortung übernehmen
   7.  Eine gesunde Kleingruppenstruktur aufbauen
   8.  Eine Kultur der Liebe entwickeln
   9.  Den Gottesdienst losketten
  10. Die innergemeindlichen Strukturen vereinfachen
  11. Das Primat der Gemeinde wieder herstellen
  12. Die Kirche nach vorne träumen.

Zu jeder dieser Aufgaben stellt Pfarrer Douglas 8 Thesen zur Debatte.

Anhand der Thesen zur 1. und 4. Hauptaufgabe versuchte der Kirchenvorstand die Situation in unserer Gemeinde zu durchleuchten und neue Wege und Ziele zu suchen:

Dass Gott und die Gnade Gottes, die er uns durch Jesus Christus erzeigt hat, bei unseren Gottesdiensten immer im Mittelpunkt stehen, ist selbstverständlich. Ob aber die Art der Verkündigung bei uns in einer zeitgemäßen Form erfolgt, wurde diskutiert. Es ist schwierig die Gottesdienste so zu gestalten, dass alle Gemeindeglieder gleichermaßen angesprochen werden. Einige Punkte könnten verbessert werden, siehe unten.

Auch die Frage „was kann die evangelische Kirche noch tolerieren“ wurde diskutiert. Wie würden wir reagieren, wenn z.B. ein aus der Kirche Ausgetretener kirchlich bestattet werden soll oder ein gleichgeschlechtliches Paar sich segnen lassen will. Hier herrschte die Meinung vor, dass es immer auf den Einzelfall ankommt. Wir waren in Übereinstimmung mit dem Autor, dass „die Identität der evangelischen Kirche in ihrer Mitte entsteht und nicht an den Rändern“.

Durch Luthers Lehre vom allgemeinen Priestertum der Gläubigen unterscheidet sich die evangelische Kirche deutlich von der katholischen (hierarchischen) Priesterkirche.

Der evangelische Pfarrer ist nicht der Heilsvermittler sondern der Anleiter der Gemeinde. Jedes Kirchenmitglied kann und soll bei der Verkündigung des Wortes Gottes mitwirken.

In Teilbereichen funktioniert das bei uns schon, wie z.B. beim Kindergottesdienst, dem Weltgebetstag und dem (seltenen) halten eines Lesegottesdienstes durch eine(n) Kirchenvorsteher(in). Dies könnte in Zukunft etwas erweitert werden, wenn es uns gelingt ein Team für (regelmäßige) Taizé Gottesdienste zu gründen.

Oftmals wird aber von den Kirchenmitgliedern erwartet, dass der Pfarrer die Kirche selbst repräsentiert. Hier muss noch viel Aufklärungsarbeit betrieben werden. Selbst bei uns im Kirchenvorstand muss meist der Pfarrer die Andacht halten.

Der Autor des Buches möchte, dass der Arbeit der „Laien“ einen höheren Stellenwert beigemessen wird. Jedes Mitglied der Gemeinde sollte die Bibel lesen und für sich auslegen können und, nach seinen Fähigkeiten, in der Gemeinde mitarbeiten (vom Kuchen backen fürs Gemeindefest bis zum Gestalten von Gottesdiensten).

„Kein einzelner Mensch kann all die Gaben in sich vereinigen, die benötigt werden, damit eine Gemeinde auch nur annähernd mit dem versorgt wird, was sie braucht. Selbst ein multitalentierter Superpfarrer vermag in 80 Stunden pro Woche nicht einmal ansatzweise das zu leisten, was 50 oder gar 100 normal begabte Gemeindeglieder in 2-3 Wochenstunden einzubringen in der Lage sind, vor allem, wenn sie ihren Gaben und Stärken gemäß mitarbeiten“.

Unsere Gemeinde hat -Gott sei Dank- eine große Zahl von ehrenamtlichen Mitarbeitern. Aber es hat sich bisher niemand Gedanken darüber gemacht, ob diese gerade die Arbeit machen die sie machen wollen oder wie wir ihre Interessen fördern können. Es wird unsere Zukunftsaufgabe sein, die Gaben und Fähigkeiten unserer Gemeindeglieder zu entdecken und zum Einsatz zu bringen.

Als konkrete Maßnahmen wurden beschlossen:

Bei den Lesungen sollen, wenn es zur Verdeutlichung des Textes dient, auch andere (modernere) Übersetzungen verlesen werden.
Einzelne (besonders angekündigte) Gottesdienste sollen auf die Jugendlichen ausgerichtet (wenn möglich mit ihnen zusammen erarbeitet) werden.
Der Kirchenraum soll (während der Bürozeiten) geöffnet werden; ein Flyer soll auf die Geschichte unserer Kirche und auf ihre Besonderheiten aufmerksam machen.
Der Geburtstags- Besuchsdienst soll nicht mehr nur vom Pfarrer sondern auch von anderen Gemeindemitgliedern gemacht werden und auf „jüngere“ Jubiläen ausgedehnt werden.

Aufgaben in unserer Gemeinde (vom Besuchsdienst bis zum Webmaster für unsere Homepage) sollen besser bekantgemacht werden (Gemeindebrief, Homepage) damit sich Gemeindeglieder angesprochen fühlen und sich ehrenamtlich engagieren können.

12.3.05, Konrad Petersen

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