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Heft 1/2011
Dez. - Jan. -Feb. Evangelisch- Lutherische Kirchengemeinde Pullach
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Predigt für den Ostermontag in der Jakobuskirche Pullach
gehalten von Pfr. Kurt H.Bordon, am 17.4.2006

Text: Lukas 24, 13 – 24 -  Thema: Die Emmausjünger in unserer Kirche

Liebe österliche Gemeinde!
In der Hoffnung, dass Sie alle gestern schon ein schönes Osterfest erlebt haben, bitte ich sie, während der Lesung des Evangeliumstextes unser Glasfester über dem Altar zu betrachten.
„Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa zwei Wegstunden entfernt; dessen Name ist Emmaus. Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten. Und es geschah, als sie so redeten und sich miteinander besprachen, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen. Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten. Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr untereinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen. Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist? Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Taten  und Worten vor Gott und allem Volk; wie ihn unsere Hohepriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben. Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass dies geschehen ist. Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen, haben seinen Leib nicht gefunden  und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe. Und einige von uns gingen hin zum Grab und fanden’s so, wie die Frauen sagten; ihn aber sahen sie nicht.
Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben! Musste nicht Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen? Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift von ihm gesagt war. Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wolle er weitergehen. Und sie nötigten ihn und sprachen:

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Bleibe bei uns; denn es will Abend werden und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte und brach’s und gab’s ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen. Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete? Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren; die sprachen: der Herr ist wahrhaftig auferstanden und Simon erschienen. Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, als er das Brot brach.
Bei dem Versuch, zum 50. Jubiläum unsere Kirche umzugestalten, wurde nicht nur über die Beseitigung der drei Golgathakreuze, die Prof. Küttinger provisorisch im Altarraum errichtet hatte, gesprochen, sondern auch über das Glasfenster von Prof. Weißhaar, welches die Geschichte der Emmausjünger darstellt. Für die Umgestaltung der Jakobuskirche, die Pfarrer Jokisch geleitet hatte, war es notwendig geworden, im Südbereich eine Apsis mit einem zentralen Glasfester zu versehen. Prof. Weißhaar war mit der Errichtung betraut worden. Am Pfingstsonntag, dem 30 . Mai 1982 übergab er im Gottesdienst der Gemeinde das Werk. Er hatte es „ in einer für mich sehr schweren Zeit gestaltet, als die Anfänge in der Akademie mühselig und bitter waren. Das österliche Werk hat mir Kraft gegeben“ – so bekennt Prof. Weißhaar in einem Brief, den er mir zum Osterfest 2001 geschickt hatte. Ich hatte ihn um seine Eröffnungsrede gebeten, um am Ostermontag 2001 über das Bild und die dargestellte Emmausgeschichte zu predigen.
Da der Kirchenvorstand sich nun entschieden hat, dieses Bild zu erhalten, will ich ihnen heute erneut einen Einblick in die Entstehung und in die Darstellung geben. Dazu lese ich Ihnen aus der Eröffnungsrede von Prof. Weißhaar vor:
Liebe Gemeinde von St. Jakobus in Pullach!
Zuerst habe ich Ihnen zu danken für das Vertrauen, dass Sie zusammen mit Herrn Pfarrer Jokisch und Herrn Architekt Küttinger mir geschenkt haben, als Sie mir den Auftrag für dieses hier nun eingesetzte Fenster erteilt haben. Weiter danke ich Ihnen für die guten, anregenden und ermutigenden Gespräche, die ich mit einigen von Ihnen während der Entwurfszeit führen konnte. Ich freue mich, dass ich heute eingeladen bin, selber Ihnen das vollendete Fensterbild vorzustellen und etwas zu dessen Deutung zu sagen. Die gestellte Aufgabe war eine doppelte
- einmal das über dem Altar befindliche Fenster figürlich zu gestalten
- zum anderen die Botschaft von Ostern vor Augen zu stellen.
Das eine ist eine kompositorische, künstlerische und nicht zuletzt auch lichttechnische Arbeit, das andere eine bildtheologische Aufgabe. Bei der Durchführung beeinflusst das eine das andere und der vom Architekten in Materialien und Form streng geordnete Raum fordert auch in der Komposition des Fensterbildes eine straffe Ordnung und die Beschränkung auf eine relativ kleine Farbskala. Von der Form der Fensterflächen her und deren Schrägstellung verbot sich ein allzu freizügiger Gebrauch runder Formen, und Waagerechte, Senkrechte und Diagonalen ergaben das Grundschema für den Bildaufbau.
Von der Lichtführung her musste die Verwendung vieler dunkler Farbgläser unterlassen werden, da ansonsten der Altar in eine Dunkelzone des Raumes geraten wäre. Alle diese Vorüberlegungen und noch einige andere waren im Sinn zu behalten beim Suchen nach der Bildgestalt und ihrer Detailthematik.
Es war mir von Anfang an klar, dass ich kein pantheistisch-naturreligiöses Aufbrechen, Erwachen und Auferstehen symbolisch andeuten könne, sondern dass der biblische Text Aussagen darüber bietet, welche Erfahrungen die Jünger mit dem auferstandenen Christus gemacht haben, und wie sie selbst in der Urverkündigung diese ihre Widerfahrnisse gedeutet haben. So kam die Bildverknüpfung der Emmauserzählung mit dem Patriarchen David im Fenster zustande.
- In der Sockelzone steht die leere Grabhöhle- durch das blaue Quadrat angedeutet – und der weggestoßene Stein mit den Siegeln, der diagonal liegt, als Zeichen des überwundenen Todes.
- Im Zentrum des ganzen Fensters
(es ist die Mitte, der in sieben Zeitzonen aufgeteilten Fensterfläche) sitzt der in Emmaus den beiden Jüngern das Brot brechende Christus als der in der Gemeinde Anwesende und sich jedem einzelnen Offenbarende.
- Im rechten Schrägbereich erscheint Jesu Ahnherr David mit hörenden und hinweisender Gebärde, denn Petrus beruft sich in seiner Pfingstpredigt, deren Anfang wir heute in der Lesung gehört haben, auf die an David ergangene Verheißung eines Lebens über den Tod hinaus und Paulus erklärt im 2. Korintherbrief, dass alle Verheißungen, die je ergangen sind, in Jesus zu Ja geworden sind (2. Kor. 1.20).
Die vier Kelche im Rücken Davids symbolisieren mit den Bitterkräutern zusammen das Passahmahl, das Vorläufersymbol des Abendmahles Jesu, unser Sakrament der Vergebung und Gegenwart des Herrn.(Predigttext)
- Auch die winzigen Blumen und Blättchen in den Ecken des Sockelbereiches wollen noch einmal zurückverweisen auf das alttestamentliche Ostermahl und das Abendmahl, bei dem Lattich als Bitterkraut gereicht wurde, um die Bitternis anzudeuten, welche die Väter in Ägypten vor ihrem Auszug erfahren hatten.
Der streng blickende David hat auf der Stirn die Gebetskapsel (Tefilin) mit dem jüdischen Bekenntnis zu Gott – Schama Israel. Er versucht zu hören und zu verstehen, was ihm genauso wenig gelingt wie den Jüngern und auch uns nicht. Deshalb ist der Ausdruck der Beteiligten im Bild nicht eine triumphale Sieger und Gewinnerpose, sondern ein  Ringen mit der Botschaft des Auferstandenen. Deshalb ist das Bild etwas schwermütig. Aber gerade dadurch besitzt es seelsorgerliche Tiefe. Der Betrachter, der sorgenbeladen und mit Zweifeln erfüllt dieses Bild betrachtet erkennt sich in den Gestalten wieder. Lächelnde Sieger hätten ihn in seinem Leid nicht ernst genommen.(Predigttext)
Ich möchte Sie jetzt nicht mehr lange mit Erklärungen und Deutungen aufhalten. Es soll nur noch gesagt sein, dass das Fensterbild nicht allein die Emmaus-Perikope und die Davidgestalt meint, sondern überhaupt das ganze Evangelium von Jesus, den der Vater auferweckt hat und nicht der Unterwelt preisgab (Apg. 2,22-36), vor und hinstellen will. Deshalb habe ich dem Rat eines Mitglieds dieser Gemeinde folgend in einer kaum auffallenden, ins Bild integrierten Schrift, den aus dem Anfang des Römerbriefes genommenen Satz eingeritzt:
EVANGELIUM VON SEINEM SOHN; DER GEBOREN IST VON DEM SAMEN DAVIDS NACH DEM FLEISCH UND KRÄFTIG ERWIESEN ALS SEIN SOHN NACH DEM GEIST; DER DA HEILIGT,
Der Satz lautet weiter:“ seit der Zeit, da er auferstanden ist von den Toten, Jesus Christus, unser Herr“ (Röm, 1,1-4).
Mit diesem Hinweis auf das Evangelium deutet das Fenster auf die unter ihm liegende Bibel auf dem Altar, mit dem brotbrechenden Christus auf das der Gemeinde gereichte Abendmahl. Die blaue, senkrechte Markierung zwischen David und Christus bezeichnet die Wende der Zeiten und David weist mit seiner Linken gleichsam über diese Schranke hinweg auf Jesus und die Jüngergemeinde, während die im linken Bereich erscheinende Schalenform als Andeutung der Taufe verstanden werden kann. So gesehen ist das Bild von rechts nach links zu lesen wie die hebräische und aramäische Schrift.
Wenn ich nun  noch eine vielleicht auftauchende Frage vorweg beantworten darf: Weshalb figürliche Darstellung und nicht abstrakte Gestaltung in unserer abstrakt ausgerichteten Zeit?
So möchte ich sagen: Die Heilige Schrift spricht zu uns vorwiegend durch Personen und Ereignisse und wendet sich an Verstand, Gemüt und Herz. Ich glaube, dass in den Figuren dieses Fensters noch manches verborgen liegt, was jetzt nicht angesprochen und gedeutet werden konnte, was Sie aber selbst in Laufe der Zeit entdecken und Freude daran haben werden. Ein Farbglasfenster ist etwas sehr Lebendiges, denn in ihm wird das Licht in den Farben nicht nur reflektiert, sondern es fällt durch das Bild hindurch. Wind, Wolken, Sonne, das Zittern der Zweige und Blätter draußen, das Klopfen der Regentropfen und die Last des Schnees im Winter spielen mit den Gläsern und verwandeln das Bild immer wieder. Zu jeder Jahreszeit und Tagesstunde, bei jedem Sonnenstand ist es anders. Am Mittag leuchten andere Farbgläser auf als am Abend und selbst bei einem Gottesdienst, wenn draußen dunkle Nach und die Scheiben schwarz sind, bildet das silberne Netzwerk der Bleiruten eine bergende Hülle über der Gemeinde.
Ich möchte Ihnen und mir wünschen, dass das Emmaus-Fenster Trauernde trösten, Bedrückten und Zweifelnden Hoffnung geben kann und uns alle mit jener österlichen Unruhe erfüllt, die die Emmausjünger zum Aufbruch nach Jerusalem antrieb.
Prof. Franz Bernhard Weißhaar Akademie der bildenden Künste München.“

Diesem österlichen Wünsch des Künstlers vom 30. Mai 1982 möchte ich mich auch heute gerne anschließen. Amen!


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