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Heft 1/2011
Dez. - Jan. -Feb. Evangelisch- Lutherische Kirchengemeinde Pullach
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Predigt für den 2. Sonntag nach Epiphanias ( 19.1.2003 )



Text: Johannesevangelium 2, 1 – 11 – Hochzeit zu Kana

Thema: Jesus vermittelt heilende Lebensfreude!

Lieber Leser!

Wer kennt sie nicht, die Zeiten harter Arbeit, der Anstrengung, den Stress, die Plagen? Auch wenn hin und wieder die Arbeit, der Alltag Freude machen, gilt es wahrscheinlich nicht immer für alle sechs Tage der Woche. Gelegentlich hat das Wochenende, auf das wir uns ja alle so freuen, auch die Kleidung der Woche an und entlässt uns nicht in die Freiheit anderer Zeit, in den Raum der Freude und der Fülle.

Aber genau das brauchen wir und suchen wir auch. Wir verbringen ja in der Regel die Tage der Arbeit um uns die Tage ohne Arbeit leisten zu können. Wir wollen weg fahren, lesen, Kino, Theater, Konzerte besuchen, mit Freunden feiern und anderes mehr erleben. Wir wollen den Trott verlassen und die Höhe gefeierten Lebens erreichen. Dazu ist der Sonntag da.

Der Predigttext beschreibt eine Hochzeitsfeier. Das ist nichts Ungewöhnliches. Auch Jesus, seine Jünger und seine Mutter folgten der Einladung zum Fest. Es war die hohe Zeit der Freude, geteilten Glücks, der Wünsche für gutes, gelingendes Leben. Es war die Zeit für gemeinsames Essen und Trinken. Die Hochzeit zu Kana war auch nur eine Hochzeit, wie viele andere. War sie aber nur eine Hochzeit? Wer kennt noch das Brautpaar? Wer kennt das Haus in Kana, in dem kleinen Ort zwischen Nazareth und den See Genezareth, wo das geschehen ist? Bis heute bewegt diese Erzählung aus dem Johannesevangelium die Gemüter. Warum? Was ist passiert? Was ist daran so sonderbar, dass Künstler aller Art dazu Bilder, Geschichten und die Theologen Deutungen verfassen?

Es gibt einige Anzeichen im Text, dass es eigentlich nicht um rationale Erklärungen für die phantastische Wandlung von Wasser zu gutem Wein geht. Das wäre ja sonst ein zu patentierendes Kunststück geworden, das viele Weinhändler, die mit Wasser den Wein strecken, dem Jesus teuer abgekauft hätten. Millionen von Winzern und Weinhersteller wären arbeitslos, weil vielleicht Kirchen, Klöster oder der Vatikan den Kana – Wein nach der Hochzeitsmethode Jesu, in alle Welt verkaufen würden. Aber nichts davon steht in dem Bericht. Eigentlich ist es ja auch kein Bericht.

Johannes sagt: das ist das erste Zeichen, das Jesus getan hatte. Das Griechische spricht von semeion – dem Zeichen seiner Herrlichkeit. Lateinisch ist vom signum, die Rede, welches den Beginn seiner Gloriae manifestiert. Der englische Text der Bibel spricht vom: Beginning of miracles and manifested forth his glory. Diese Begriffe führen weg von dem Bereich, der vielleicht unsere Zeitgenossen interessieren würden. Sie würden vielleicht doch fragen wollen: Wie geht so etwas? Welchen Trick hat Jesus da angewandt um die Wasserkrüge mit Wein zu füllen?

Kann ja gar nicht gehen, ruft der Realist und Naturwissenschaftler und beendet enttäuscht sein Interesse an Jesus und der Hochzeit.

Wer so an die Geschichte geht, der wird auch keinen Freude an Märchen, an Zauberkünstlern, an Poesie, am Zeichenhaften haben.

Ein Spötter fragte einst den Kirchenvater Augustin (347 – 420 n. Chr.): „ Jesus hat, so ergibt meine Rechnung, mehr als 300 Liter Wasser zu Wein verwandelt. Haben die, nachdem sie ja schon trunken waren, den ganzen Wein ausgetrunken?" „ Sicher nicht" – antwortete Augustin, „wir trinken heute noch daraus"!

Also, auf einen guten Schluck Symbolik! Es war der dritte Tag, an dem die Hochzeit gefeiert wurde. Die Zeit des Glücks braucht Vorbereitung. Dabei können viele Fehler passieren. Nicht immer wandelt sich das Erwartete in Erlebtes. Zum Glück braucht Mann und Frau Glück, Fortune, gelingen, Offenheit, Hingabe. Die Anwesenheit Jesu ermöglichte die Fortdauer guter Gemeinschaft. Hochzeit blieb Hochzeit. Die Freude und Gemeinschaft blieben Gäste bis zuletzt. Die sechs leeren Gefäße der Not, der Leere, des Mangels waren wieder voll.

Was hilft uns, so dürfen wir fragen – gefülltes Leben zu erleben? Wo, wie finden wir das hohe Glück, Liebe, Vertrauen, inneren Frieden?

Die Vernunft, die alles durchwühlt auf ihrer Suche nach Beweisen, Prinzipien – hat ihre Berechtigung. Aber gelingendes Leben lebt vom Geschenk, vom Sich – Beschenken – Lassen, von der Hingabe, dem Vertrauen. Wandlung des Alltagslebens in gutes, freudiges Sonntags – Erleben, in der Begegnung mit dem, der Heil schenkt, - ist eine Geschichte, wie die in Kana. Der Menschgewordene half und hilft in der Not. Er gab und gibt heute noch Fülle.

Sehr zum Wohle!

Amen.

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