Predigt für den 2. Sonntag nach Epiphanias ( 19.1.2003 )
Text: Johannesevangelium 2, 1 – 11 – Hochzeit zu Kana
Thema: Jesus vermittelt heilende Lebensfreude!
Lieber Leser!
Wer kennt sie nicht, die Zeiten harter Arbeit, der Anstrengung, den Stress, die
Plagen? Auch wenn hin und wieder die Arbeit, der Alltag Freude machen, gilt es
wahrscheinlich nicht immer für alle sechs Tage der Woche. Gelegentlich hat das
Wochenende, auf das wir uns ja alle so freuen, auch die Kleidung der Woche an und
entlässt uns nicht in die Freiheit anderer Zeit, in den Raum der Freude und der Fülle.
Aber genau das brauchen wir und suchen wir auch. Wir verbringen ja in der Regel die
Tage der Arbeit um uns die Tage ohne Arbeit leisten zu können. Wir wollen weg
fahren, lesen, Kino, Theater, Konzerte besuchen, mit Freunden feiern und anderes
mehr erleben. Wir wollen den Trott verlassen und die Höhe gefeierten Lebens
erreichen. Dazu ist der Sonntag da.
Der Predigttext beschreibt eine Hochzeitsfeier. Das ist nichts Ungewöhnliches. Auch
Jesus, seine Jünger und seine Mutter folgten der Einladung zum Fest. Es war die
hohe Zeit der Freude, geteilten Glücks, der Wünsche für gutes, gelingendes Leben.
Es war die Zeit für gemeinsames Essen und Trinken. Die Hochzeit zu Kana war auch
nur eine Hochzeit, wie viele andere. War sie aber nur eine Hochzeit? Wer kennt noch
das Brautpaar? Wer kennt das Haus in Kana, in dem kleinen Ort zwischen Nazareth
und den See Genezareth, wo das geschehen ist? Bis heute bewegt diese Erzählung
aus dem Johannesevangelium die Gemüter. Warum? Was ist passiert? Was ist
daran so sonderbar, dass Künstler aller Art dazu Bilder, Geschichten und die
Theologen Deutungen verfassen?
Es gibt einige Anzeichen im Text, dass es eigentlich nicht um rationale Erklärungen
für die phantastische Wandlung von Wasser zu gutem Wein geht. Das wäre ja sonst
ein zu patentierendes Kunststück geworden, das viele Weinhändler, die mit Wasser
den Wein strecken, dem Jesus teuer abgekauft hätten. Millionen von Winzern und
Weinhersteller wären arbeitslos, weil vielleicht Kirchen, Klöster oder der Vatikan den
Kana – Wein nach der Hochzeitsmethode Jesu, in alle Welt verkaufen würden. Aber
nichts davon steht in dem Bericht. Eigentlich ist es ja auch kein Bericht.
Johannes sagt: das ist das erste Zeichen, das Jesus getan hatte. Das Griechische
spricht von semeion – dem Zeichen seiner Herrlichkeit. Lateinisch ist vom signum,
die Rede, welches den Beginn seiner Gloriae manifestiert. Der englische Text der
Bibel spricht vom: Beginning of miracles and manifested forth his glory. Diese
Begriffe führen weg von dem Bereich, der vielleicht unsere Zeitgenossen
interessieren würden. Sie würden vielleicht doch fragen wollen: Wie geht so etwas?
Welchen Trick hat Jesus da angewandt um die Wasserkrüge mit Wein zu füllen?
Kann ja gar nicht gehen, ruft der Realist und Naturwissenschaftler und beendet
enttäuscht sein Interesse an Jesus und der Hochzeit.
Wer so an die Geschichte geht, der wird auch keinen Freude an Märchen, an
Zauberkünstlern, an Poesie, am Zeichenhaften haben.
Ein Spötter fragte einst den Kirchenvater Augustin (347 – 420 n. Chr.): „ Jesus hat, so
ergibt meine Rechnung, mehr als 300 Liter Wasser zu Wein verwandelt. Haben die,
nachdem sie ja schon trunken waren, den ganzen Wein ausgetrunken?" „ Sicher
nicht" – antwortete Augustin, „wir trinken heute noch daraus"!
Also, auf einen guten Schluck Symbolik! Es war der dritte Tag, an dem die Hochzeit
gefeiert wurde. Die Zeit des Glücks braucht Vorbereitung. Dabei können viele Fehler
passieren. Nicht immer wandelt sich das Erwartete in Erlebtes. Zum Glück braucht
Mann und Frau Glück, Fortune, gelingen, Offenheit, Hingabe. Die Anwesenheit Jesu
ermöglichte die Fortdauer guter Gemeinschaft. Hochzeit blieb Hochzeit. Die Freude
und Gemeinschaft blieben Gäste bis zuletzt. Die sechs leeren Gefäße der Not, der
Leere, des Mangels waren wieder voll.
Was hilft uns, so dürfen wir fragen – gefülltes Leben zu erleben? Wo, wie finden wir
das hohe Glück, Liebe, Vertrauen, inneren Frieden?
Die Vernunft, die alles durchwühlt auf ihrer Suche nach Beweisen, Prinzipien – hat
ihre Berechtigung. Aber gelingendes Leben lebt vom Geschenk, vom Sich –
Beschenken – Lassen, von der Hingabe, dem Vertrauen. Wandlung des
Alltagslebens in gutes, freudiges Sonntags – Erleben, in der Begegnung mit dem, der
Heil schenkt, - ist eine Geschichte, wie die in Kana. Der Menschgewordene half und
hilft in der Not. Er gab und gibt heute noch Fülle.
Sehr zum Wohle!
Amen.
|